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Vorlage - 2021/089  

Betreff: Geänderte Verkehrsführung in der Hauptstraße und in der Hermannstraße - Sachstandsbericht
Status:öffentlichVorlage-Art:Informationsvorlage öffentlich
Verfasser:1. Frau F. Söchtig, Tel: 164-303
2. Frau S. Laue, Tel: 164-500
3. Herr T. Kuchem, Tel: 164-502
Federführend:Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin Bearbeiter/-in: Kuchem, Thomas
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bau und Umwelt Abschließend zur Kenntnis
06.05.2021 
Sitzung des Ausschusses für Bau und Umwelt (offen)   

Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:

Die Verkehrsführung in der Hauptstraße und in der Hermannstraße wurde geändert, da zum einen in beiden Bereichen deutliche Geschwindigkeitsüberschreitungen zu verzeichnen waren. Außerdem bestehen in diesen Straßen starke Nutzerkonflikte (KFZ, Rad, Zufußgehende). Diese Änderungen erfolgen zunächst befristet und werden begleitet durch das Büro PGV-Alrutz aus Hannover, das derzeit ein Mobilitätskonzept für die Stadt Syke erarbeitet.

Die heutigen Informationen dienen der Beschreibung eines Zwischenstandes. Über das Mobilitätskonzept der Firma PGV-Alrutz, in dem Anregungen der Politik als auch der Bürger aufgenommen werden, wird der Rat der Stadt Syke beschließen.

 

  1. Änderung der Verkehrsführung in der Hauptstraße, Zeitraum vom 15.02. – 15.10.2021

a)      Teilstück Hauptstraße 52 (Handarbeitsbedarf Stuckenschmidt) bis Einmündung Gesseler Straße (Restaurant Pino): Umkehrung der bisherigen Einbahnregelung

 

b)      Sperrung der Durchfahrt für den Fahrzeugverkehr in Höhe Schuhhaus Kastner bis Höhe Landvolk

Skizze:

 

 

Die Hauptstraße ist als Gehweg ausgeschildert, auf dem auch Fahrzeuge fahren dürfen.

Viele Fußgänger und Radfahrer nutzen die Straße - aber auch viele Fahrzeuge. Aufgrund ihrer baulichen Beschaffenheit ist in der Hauptstraße in manchen Bereichen leider wenig gemeinsamer Raum für Fußgänger und Radfahrer vorhanden, wenn ein Pkw zeitgleich diesen passiert. So kommt es  mitunter zu Konflikten zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern.

Insbesondere ältere Menschen mit Rollatoren, aber auch Eltern oder Großeltern mit Kinderwagen haben manchmal nicht genügend Platz, um rechtzeitig den Fahrzeugen ausweichen zu können. Für Kinder ist die Situation unübersichtlich und gefährlich. Radfahrende können aufgrund der mangelnden Breite der Verkehrsfläche oft nicht ausweichen.

Die Hauptstraße wird auch oft dazu genutzt, die Ampelanlagen auf der B6 oder der Ernst-Boden-Straße zu umgehen. Diese sog. Schleichverkehre waren vor der Änderung der Verkehrsführung regelmäßig festzustellen.

Die Messungen mit der Geschwindigkeitsmesstafel vom 16.01.201829.01.2018  und vom 13.12.201816.01.2019 in der Hauptstraße haben ergeben, dass die Werte für einen verkehrsberuhigten Bereich, in dem das vorgegebene Tempo Schrittgeschwindigkeit bedeutet, deutlich zu hoch liegen. Der Durchschnittswert V-85 liegt bei 25 km/h, zulässig sind 7 km/h. Es wurden auch Werte oberhalb von Tempo 60 gemessen, der Spitzenwert liegt bei 73 km/h. Sowohl der Durchschnittswert, als auch die Werte im oberen Drittel der Skala sind für diesen Bereich inakzeptabel. Die Hauptstraße konnte bis zur Umsetzung der verkehrslenkenden Maßnahmen von der Schloßweide bis zum Bahnhof durchgängig in eine Richtung mit Fahrzeugen befahren werden.

 

Um die Durchgangsverkehre zu unterbrechen und zu verringern, sollten die Verkehre auf die anliegenden Straßen besser verlagert werden. Hierdurch soll auf der Hauptstraße die Belastung durch den Fahrzeugverkehr verringert und die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer erhöht werden.

Um besonders die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu schützen, wurde die Hauptstraße probeweise in ihrer Verkehrsführung geändert. Die bisherige Einbahnstraßenregelung wurde in dem Bereich von der Hauptstraße 52 (Handarbeitsbedarf Stuckenschmidt) bis zur Einmündung Gesseler Straße/ Plackenstraße (Restaurant Pino) umgekehrt. Darüber hinaus wurde in Höhe von Wessels Hotel die Durchfahrt für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Hierdurch soll eine Unterbrechung der Durchgangsverkehre erreicht werden.

Die Verkehrsregelung wird in einem Erprobungszeitraum vom 15.02. – 15.10.2021 durchgeführt. Die Maßnahmen wurden mit der Polizei abgestimmt und von dort befürwortet.

Vor und während des Erprobungszeitraumes wurden bzw. werden Verkehrsmessungen durchgeführt. Hier werden nicht nur die Geschwindigkeiten, sondern auch die Anzahl der Fahrzeuge (Radfahrer inbegriffen) ermittelt.

 

Aus verkehrspsychologischer Sicht sollte bei einer gravierenden Änderung einer bisherigen Verkehrsführung ein Zeitraum von mindestens 3 Monaten angenommen werden, da sich die Verkehrsteilnehmer auf die neue Situation erst einstellen müssen. Die Testphase läuft erst seit dem 15.02.2021, so dass einige Verkehrsteilnehmer noch in ihrer „alten“ Gewohnheit die Hauptstraße befahren und befahren möchten.

Beschwerden bei solch einer massiven Änderung des Verkehrsflusses sind  zu erwarten gewesen. Gleichzeitig gibt es aber bereits viele positive Rückmeldungen, insbesondere von Fußgängern und Radfahrern, die sich etwas sicherer fühlen. Diese positiven Rückmeldungen gibt es generationenübergreifend.

 

Das Planungsbüro PGV-Alrutz begleitet diesen Prozess im Rahmen der Erstellung des Mobilitätskonzeptes Hier wurden bereits die ersten erfassten Daten und Verkehrsströme ausgewertet. Aus den Messungen lassen sich die jetzigen Verkehrsmengen nach Umkehrung der Einbahnstraßenrichtung in der westlichen Hauptstraße sowie der Sperrung des mittleren Abschnitts zwischen An der Volksbank und Gesseler Straße ableiten.

Der Verkehr auf der Hauptstraße hat sich durch die geänderte Verkehrsführung offensichtlich verringert und weiterer Verkehr hat sich auf die umliegenden Straßen besser verteilt.

 

Die westliche Hauptstraße wird im Bereich, in dem Begegnungsverkehr erlaubt ist (Höhe Rewe), werktäglich von ca. 1.950 Kfz/24h frequentiert.

Auffallend ist, dass der Gesamtquerschnitt nahezu ausgeglichen ist, wobei eigentlich mehr Fahrzeuge in Richtung der folgenden Einbahnpassage nach Osten fahren müssten.

Aus den Daten lässt sich dementsprechend ableiten, dass nur ca. 250 Kfz/24h den Teilabschnitt der Einbahnstraße befahren. Eine Erklärung für den nahezu ausgeglichenen Gesamtquerschnitt könnten Fahrzeuge sein, die die Hauptstraße unerlaubt entgegen der Einbahnrichtung benutzen, also ggf. aus Unkenntnis der neuen Regelung weiterhin die bisherige Einbahnregelung annehmen, aber auch Radfahrer, die legalerweise entgegengesetzt der Einbahnregelung fahren dürfen.

Kurzfristig ausgewertete weitere Verkehrsdaten zeigen eine Zunahme des Gesamtquerschnitts auf ca. 2.400 Kfz/24h und lassen auf eine Frequenz von ca. 500 Kfz/24h in dem „umgedrehten“ Einbahnstraßenabschnitt schließen. Die Werte sind weiterhin zu analysieren und zu bewerten.

Die Straße An der Volksbank weist aktuell Verkehrsmengen von ca. 1.200 Kfz/24h auf. Es ist davon auszugehen, dass das Verkehrsaufkommen hier angestiegen ist. Die verkehrliche Wirkung auf das Umfeld ist dabei jedoch über einen längeren Zeitraum zu betrachten, wobei in Wohnstraßen laut Richtlinien Verkehrsmengen bis zu 4.000 Kfz/24h möglich sind.

Der stärker nach Westen ausgeprägte Richtungsquerschnitt (720 gegenüber 480 Kfz/24h) lässt darauf schließen, dass von Osten anfahrende Kfz den gesperrten Abschnitt der Hauptstraße über die Straße An der Volksbank umfahren, dann aber weiter in Gesseler Straße oder Plackenstraße ausweichen. In der Luise-Chevalier-Straße wurden aktuell ca. 2.650 Kfz/24h gemessen, wobei hier neben den durch den Lockdown verringerten Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt auch die eingeschränkten Öffnungen der Schulen zu berücksichtigen sind.

Es zeigt sich trotzdem, dass die Luise-Chevalier-Straße eine wichtige Zu- und Abfahrtsfunktion zur Innenstadt sowie eine Verteilerfunktion in Verbindung mit dem Straßenzug Zum Hachepark erfüllt. Durch die vorhandene Einbahnrichtung in der südlichen Hauptstraße in Verbindung mit der Sperrung des Mittelstücks führen bezogen auf den Gesamtquerschnitt mehr Fahrten aus dem Stadtkern heraus als hinein (1.650 zu 1.000 Kfz/24h).

Zu beachten sind weiterhin die verkehrlichen Auswirkungen durch die „Eingewöhnungsphase“ sowie den „Corona-Lockdown“, so dass die Verkehrszählungen zunächst weitergeführt und ggf. zu einem späteren Zeitpunkt überprüft werden müssen.

Die Stadt Syke hat ausgehend von der Kreuzung Hauptstraße / Luise-Chevallier-Straße durch  zusätzliche Tafeln die neue Verkehrsführung verdeutlicht. Der PKW Verkehr wird durch die Hinweisschilder über die Luise-Chevallier-Straße, Georg-Hoffmann-Straße, An der Weide, Bassumer Straße wieder zur Hauptstraße geführt.

 

Die Aufgabe/ Funktion der Hauptstraße ist zukünftig deutlicher herauszuarbeiten. Die Hauptstraße wird dabei nicht als durchgehende Einheit verstanden, sondern in ihren unterschiedlichen Funktionsbereichen.

 

 

 

 

  1. Änderung der Verkehrsführung in der Hermannstraße - Für den Rad- und Fußgängerverkehr durchlässige Sackgasse, Zeitraum vom 01.12.2020 bis 31.08.2021

 

 Die Hermannstraße ist als verkehrsberuhigter Bereich ausgeschildert und somit als Gemeinschaftsfläche für alle Verkehrsarten gedacht. Es sind überwiegend Fußgänger und Radfahrer anzutreffen.
Der Fahrzeugverkehr muss besondere Rücksicht auf diese Verkehrsteilnehmer üben. Aufgrund der baulichen Beschaffenheit ist der Raum für Fußgänger und Radfahrer stellenweise  eingeschränkt. Insbesondere ältere Personen mit Rollatoren sowie Personen mit Kinderwagen haben nicht genügend Platz, um Fahrzeugen ausweichen zu können.

Gerade im Bereich der Einmündung von der „alten“ Waldstraße in die Hermannstraße gab es immer wieder Konfliktsituationen zwischen Fußgängern und Fahrzeugen. Aber auch Radfahrer können aufgrund der mangelnden Breite nicht ausweichen. Oft wurde die Hermannstraße dazu genutzt, die Ampelanlagen auf der B6 zu umgehen (sog. Schleichverkehre).

  Die Messungen mit der Geschwindigkeitsmesstafel vom 20.03. – 02.04.2020 haben ergeben, dass der V85-Wert bei 28 km/h bei beiden Fahrtrichtungen beträgt. Die Vmax-Werte hingegen lagen bei 62 km/h bzw. 74 km/h. Die Messungen mit der Geschwindigkeitsmesstafel vom 05. -18.10.2016 haben ergeben, dass der V85-Wert bei 30 km/h in Fahrrichtung lag. Diese Werte sind für einen verkehrsberuhigten Bereich, maximal 7 km/h, nicht akzeptabel.

Um besonders die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu schützen, soll die Hermannstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Radfahrer und Fußgänger sollen die gesamte Fahrbahn für sich geschützt beanspruchen dürfen.

 

Der Erprobungszeitraum soll vom 01.12.202031.08.2021 erfolgen. Es wurde eine mobile Sperre per VZ 600 mit Beleuchtung installiert. Während dieses Zeitraumes wird die Geschwindigkeitsmesstafel in der Wilhelmstraße aufgestellt, um die Belastung durch mögliche Ausweichverkehre zu prüfen. Sofern die Testphase erfolgreich verlaufen ist, soll die mobile Sperrung durch festinstallierte Poller ersetzt werden.

 

Aus verkehrspsychologischer Sicht sollte bei einer gravierenden Änderung einer bisherigen Verkehrsführung ein Zeitraum von mindestens 3 Monaten angenommen werden, da sich die Verkehrsteilnehmer auf die neue Situation erst einstellen müssen. Nach nun mehr fast viermonatiger Testphase gehen im Rathaus als auch über das Online-Portal „Sag´s uns einfach“ keine weiteren Beschwerden mehr ein. Ferner gab es zahlreiche positive Rückmeldungen, insbesondere durch Anwohnende, ältere Personen, aber auch Mütter, Väter und Großeltern mit Kinderwagen.

 Das Planungsbüro PGV-Alrutz hat zudem die gemessenen Geschwindigkeiten und Fahrzeugstärken in der Wilhelmstraße ausgewertet. Es wurde festgestellt, dass der Verkehr in der Wilhelmstraße aufgrund der Sperrung in der Hermannstraße nur unwesentlich zugenommen hat. Der Durchgangsverkehr hat sich offensichtlich verringert und nutzt die Bundestraße 6. Diese Straße wurde dazu gebaut, entsprechende Verkehrsmengen aufnehmen.

 Nach heutigem Kenntnisstand ist zu befürworten, dass die Hermannstraße dauerhaft für den Durchgangsverkehr gesperrt wird. Das Ziel, schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer in diesem Bereich mehr Sicherheit zu gewähren, wird dadurch erreicht. Eine Verlagerung der Verkehre in angrenzende Wohnstraßen hat nicht stattgefunden.

 

 

 

  

Stand: 08.10.2020    Änderung: VZ 357-50 über VZ 253,
 

    

Stand: 08.10.2020     Änderung: VZ 357-50 über VZ 437
 

 

 

 

 

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