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Vorlage - 2021/075  

Betreff: Namensgebung für die Gebäude Waldstraße 1 und Nienburger Straße 5
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage öffentlich
Verfasser:Herr T. Kuchem, Tel: 164-502
Federführend:Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin Bearbeiter/-in: Kuchem, Thomas
Beratungsfolge:
Ortsrat der Ortschaft Syke Vorberatung
30.08.2021 
Sitzung des Ortsrates der Ortschaft Syke      
Verwaltungsausschuss Vorberatung
Rat der Stadt Syke Entscheidung

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:

 

Zwischen der Waldstraße und dem Syker Rathaus befindet sich ein Ensemble von drei historischen Bauten sowie das Verwaltungsgebäude der Volkshochschule des Landkreises Diepholz. Zwei dieser Gebäude tragen einen Namen: Café Alte Posthalterei und Alter Spieker. Die beiden anderen Gebäude werden bislang lediglich über die Adresse identifiziert.

 

1)      Waldstraße 1 – Georg-Rumann-Haus

Die Stadtverwaltung verfügt seit einigen Jahren über das Gebäude Waldstraße 1 mit unterschiedlichen Nutzungen. Neben dem großen Sitzungsraum sind dort Sozialberatungsstellen, die Kultur- und Tourismusverwaltung sowie die städtischen IT-Spezialisten untergebracht. Für Bürgerinnen und Bürger, die die in diesem Gebäude angebotenen Beratungsleistungen oder den Sitzungsraum nutzen wollen, wird seitens der Verwaltung die Adresse Waldstraße 1 genannt, oft versehen mit dem Hinweis, Fachwerkhaus hinter dem Rathaus.

 

Von den dort arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch vereinzelt seitens der Bürgerinnen und Bürger, wurde der Wunsch geäußert, diesem Haus einen Namen zu geben.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung zur Benennung des Verwaltungsgebäudes Waldstraße 1 lautet „Georg-Rumann-Haus“. Der städtische Archivar, Hermann Greve, hat zu Georg Rumann zusammenfassend folgendes ausgeführt:

 

Georg Julius Albrecht Rumann (1744-1810) führte von 1785 bis 1809 die Verwaltung des kurhannoverschen Amtes Syke, das sich von Dreye bis Jardinghausen bzw. von Nordwohlde bis Riede erstreckte (und unter anderem das Gebiet der heutigen Stadt Syke und der heutigen Gemeinde Weyhe umfasste). Durchdrungen von den Ideen der Aufklärung war er einer der verdienstvollsten Verwaltungschefs, die auf dem Syker Amtshof residierten.

Mit großem Reformeifer trieb Rumann die Auflösung der landesherrlichen Vorwerke in Syke, Erichshof und Heiligenbruch voran, auf deren Betriebsflächen sich in den folgenden Jahren mehr als 100 Familien ansiedeln konnten. Darüber hinaus führte er - neben den alltäglichen Dienstgeschäften - die Sanierung von 80 hoch verschuldeten Bauernhöfen durch, sorgte für neue Landzuteilungen an Hunderte von Bauern, förderte den Kleeanbau, die Pferdezucht, die Anpflanzung von Obstbäumen und dringend erforderliche Aufforstungsmaßnahmen.

In Hannover und St. James fand das Engagement Georg Rumanns Anerkennung: 1796 wurde der inzwischen 52-Jährige offiziell in den Rang des Syker Verwaltungschefs erhoben und erhielt den Titel Oberamtmann; 1797 gewährte ihm Georg III., regierender hannoversche Kurfürst und britischer König, eine jährliche „Rente“ und ließ mitteilen, dass er dieses „Gnadengeschenk“ gern bewilligt habe und dass „der Fleiß und die Betriebsamkeit, durch welche“ sich Rumann ausgezeichnet habe, „wohlgefälligst bemerckt worden“ sei. Am 1. Juni 1803 schließlich verlieh Georg III. seinem Syker Oberamtmann wegen der „geleisteten nützlichen Dienste und zu einem Beweiß unserer darüber hegenden Zufriedenheit“ den Justizrat-Titel.

 

Nach fast fünf Besatzungsjahren durch napoleonische Truppen wurde Syke am 2. April 1808 von einer Feuersbrunst heimgesucht. Die heutige Hauptstraße, die im Wesentlichen den Flecken ausmachte, war bis auf wenige Gebäude dem Brand zum Opfer gefallen.

Der Oberamtmann stand den obdachlos gewordenen Sykerinnen und Sykern auf vielfältige Weise zur Seite. Unter anderem machte Rumann durch Presseaufrufe in Bremen, Hamburg und Hannover auf die Not der 401 Einwohner aufmerksam, die „ihres Obdachs und Erwerbs beraubt worden“ waren. Er löste damit eine Spendenwelle aus, die alle Erwartungen übertraf und deren Ergebnis die finanzielle Unterstützung durch die napoleonische Besatzungsmacht weit in den Schatten stellte.

Ein Jahr später, am 1. Mai 1809, verließ Georg Rumann Syke und setzte sich zur Ruhe. Er starb am 1. April 1810 in Northeim.

 

Vor dem Hintergrund der Verdienste Georg Rumanns für Syke und dem Umstand, dass er als Oberamtmann die Verwaltung über Jahre erfolgreich geführt hat, soll das Verwaltungsgebäude Waldstraße 1 nach ihm benannt werden: Georg-Rumann-Haus.

 

2)      Nienburger Straße 5 – Edgar-Deichmann-Haus

Ab Herbst 2021 wird die Stadtverwaltung das Gebäude Nienburger Straße 5 nach dem Auszug der Verwaltung der Volkshochschule nutzen. In Ergänzung des eingangs beschriebenen Gebäudeensembles soll auch dieses Verwaltungsgebäude mit einem Namen bezeichnet werden: „Edgar-Deichmann-Haus“.

 

Stadtarchivar Hermann Greve führt zu Edgar Deichmann folgendes aus:

Edgar Deichmann, dem am 31.05.2006 die Ehrenbürgerrechte der Stadt Syke verliehen wurden, übersiedelte im Jahr 1921 mit seiner Familie aus dem französischen Bergbaustädtchen Algrange in Frankreich nach Syke. Das beschauliche Syke der 1920er und frühen 1930er Jahre wurde für Edgar Deichmann zur Heimat, die seine Kindheit und seine Jugend nachhaltig prägten. Seine große lebenslange Naturverbundenheit hatte hier, in der abwechslungsreichen Landschaft der Syker Geest, ihre Wurzeln.

Edgar Deichmann war jüdischer Abstammung und ihm gelang 1937 die Flucht vor den Nationalsozialisten nach Brasilien.

Erst als Syke in den späten 1980er Jahren begann, sich der Geschichte seiner vertriebenen und ermordeten jüdischen Einwohner öffentlich zu erinnern, kam es zu einer erneuten Annäherung zwischen Edgar Deichmann und der Hachestadt. Er und seine Frau Felicitas nutzten seither ihre Reisen nach Deutschland, um mit Schülerguppen im Landkreis Diepholz über den Holocaust und das Schicksal ihrer Familien zu diskutieren: Sie bauten Brücken der Versöhnung.

Im hohen Alter von 102 Jahren starb Edgar Deichmann am 26.06.2016 in Sao Paulo, Brasilien.

 

Edgar Deichmann hat sich als Brückenbauer und Versöhner verstanden. Daher soll das Verwaltungsgebäude Nienburger Straße 5, in dem zu Beginn der 1920´er Jahre für einige Monate mit seinen Eltern gelebt hat, nach ihm benannt werden: Edgar-Deichmann-Haus.
 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

Der Rat der Stadt Syke beschließt, die Verwaltungsgebäude

1) Waldstraße 1, künftig als Georg-Rumann-Haus und

2) Nienburger Straße 5, künftig als Edgar-Deichmann-Haus

 

zu bezeichnen.


 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Finanzielle Auswirkungen:

Kosten fallen lediglich für die Erstellung von zwei Metallschildern an, die im Eingangsbereich des jeweiligen Gebäudes aufgestellt werden sollen. Die beiden Schilder werden aus Mitteln der Bauunterhaltung finanziert.

 

Nachhaltigkeit:

Für die Besucherinnen und Besucher wird die Identifizierung der Verwaltungsgebäude hinter dem Rathaus erleichtert.

 

Durchführungszeitraum:

Umgehend nach dem Ratsbeschluss.

 

 

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Anlage/n: