Ratsinformationssystem

Vorlage - 2010/113  

Betreff: Bezahlung von Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage öffentlich
Verfasser:Harm-Dirk HüppeAktenzeichen:2-
Federführend:Fachbereich 2 - Bildung und Generationen Bearbeiter/-in: Borgmann, Birgit
Beratungsfolge:
Ausschuss für Familie und Soziales Vorberatung
16.09.2010 
Sitzung des Ausschusses für Familie und Kinder geändert beschlossen   
Verwaltungsausschuss Vorberatung
Rat der Stadt Syke Entscheidung
10.11.2010 
Sitzung des Rates der Stadt Syke geändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

In den Kindertagesstätten in Syke ist es derzeit so geregelt, dass überwiegend Erzieherinnen beschäftigt werden. Dieser Personaleinsatz wurde schon vor Jahren so beschlossen und auch umgesetzt. Er garantiert in unseren Kindergärten eine hohe Betreuungsqualität und sollte auch weiterhin so beibehalten werden.

 

Gesetzlich vorgeschrieben ist der Einsatz einer Erzieherin und einer weiteren pädagogischen Fachkraft (Sozialassistentin / Kinderpflegerin). Vor diesem Hintergrund wurde vor noch mehr Jahren eine Erst- und Zweitkraftregelung in der Bezahlung festgelegt, die sich bis heute so erhalten hat. Eine Erstkraft wird heute nach der Entgeltstufe S6, eine Zweitkraft nach S4 bezahlt.

 

Nach den immer noch angewendeten Bewertungsregelungen des BAT wäre eine Fachkraft als staatlich geprüfte Erzieherin in S6 einzugruppieren. Bei der Stadt Syke wird aber erklärt, dass sie als Zweitkraft eingesetzt wird und daher nur S4 bezahlt bekommt.

 

In der Vergangenheit ließen sich die Bewerberinnen regelmäßig auf die Bezahlung unter ihrer Ausbildung ein.

 

Bereits bei den letzten beiden Bewerbungsrunden wurde deutlich, dass dieses System nicht mehr lange durchzuhalten sein wird. Die Anzahl der Bewerbungen geht aufgrund der Marktlage (hohe Nachfrage im Krippenbereich) deutlich zurück und die Bewerberinnen haben meist die Wahl zwischen verschiedenen Arbeitsplatzangeboten. Mehrfach haben wir daher von unseren Wunschkandidaten noch kurzfristige Absagen bekommen. In diesem Sommer wurden die letzten Einstellungen zwei Tage vor Betreuungsstart vorgenommen, weil die ausgewählten Betreuerinnen noch Mitte Juli erklärten, den Vertrag nicht antreten zu wollen.

 

Auch stellen wir eine erhöhte Fluktuation bei dem Betreuungspersonal fest. Unser Personal geht in der Regel aus einem oder mehreren der folgenden drei Gründe von der Stadt Syke weg:

 

1.       Nähe zum Arbeitsplatz. Sehr viele junge Mitarbeiterinnen oder Bewerberinnen wohnen in Bremen oder in Nachbarkreisen. Aufgrund des Gehaltes, das sie für einen Teilzeitarbeitsplatz in einer Kindertagesstätte beziehen, sind sie nicht in der Lage in Syke eine Wohnung zu mieten und zu unterhalten. Folglich bleiben sie zu Hause oder in einer „günstigen“ Bremer Wohnung. Wenn sich dann die Gelegenheit bietet, im näheren Wohnumfeld eine Arbeitsstelle zu bekommen, kann es nicht verübelt werden, wenn dieses Angebot angenommen wird. Die Fahrtkosten fallen dann ja weg. Da Bremen auch intensiv den Krippenausbau betreibt, ist es daher zz. kaum möglich, aus der Stadt Personal zu uns zu locken bzw. zu halten.
 

2.       Teilzeitbeschäftigung. Fast alle Stellen im Kindergartenbereich der Stadt Syke sind Teilzeitstellen. Die Regelarbeitsverträge laufen über 25,5 Stunden. Durch die immer mehr um sich greifende Nachfrage nach längeren Betreuungszeiten wird die Wochenstundenzahl zwar vielfach aufgestockt, aber Vollzeitstellen gibt es nach wie vor nur ganz wenige. Bei dem sowieso schon geringen Nettoverdienst dann auch nur den Teilzeitbetrag zu bekommen, führt nicht dazu, dass die ErzieherInnen in die Lage versetzt werden, eine Wohnung vor Ort zu nehmen, bzw. eine Familie zu gründen und zu versorgen (das gilt vor allem nach dem tradierten Rollenmuster für Erzieher). Wenn sich also jemanden eine Vollzeitstelle bietet, ist der- oder diejenige meist nicht zu halten.
 

3.       Sicherheit. In den vergangenen Jahren wurden neue Erzieherinnen meist nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz für ein oder zwei Jahre befristet eingestellt. Diese Möglichkeit jemanden ohne Befristungsgrund so zu beschäftigen wurde auch von den Verantwortlichen der Stadt gerne genutzt, weil es sich quasi um eine verlängerte Probezeit handelte, die an eine Betreuungsperiode gekoppelt war. Das führte zu weniger Bindungs- oder Trennungsproblemen zwischen Kind und Erzieherin. Es ist aber festzustellen, dass diese Erzieherinnen, sich schnell für einen anderen Arbeitgeber entscheiden, wenn dieser mit einem unbefristeten Vertrag winkt.

 

Der dritte Punkt ist aufgrund der rückläufigen Kinderzahlen sicher der am kompliziertesten anzugehende. Wenn unbesetzte Stellen im Stellenplan ausgewiesen sind, ist auch eine unbefristete Besetzung möglich. Die meisten Stellen sind aber mit Erzieherinnen in Elternzeit oder in anderer Verwendung besetzt.

Wenn aber die ersten Gruppen aufgrund fehlender Kinder geschlossen werden müssen, müssten dann Kündigungen ausgesprochen werden, was den Wert eines unbefristeten Vertrages im öffentlichen Dienst senken würde. Der Sicherheitsaspekt wird daher von den Beschäftigten hoch bewertet, ist aber vermutlich irgendwann nachrangig gegenüber dem monetären Aspekt.

 

Dieser hingegen greift bei den ersten beiden Punkten. Wenn zumindest den als Zweitkraft eingesetzten ErzieherInnen eine Bezahlung entsprechend ihrer Ausbildung nach S6 gezahlt wird, könnte diesen Abwanderungsgründen eventuell entgegengewirkt werden.

 

Dieser Ansatz sollte verfolgt werden, zumal der Arbeitgeber Stadt Syke bei dem Personal ein gutes Ansehen genießt, und dies mit außerordentlicher Loyalität vergolten wird.

 

Wenn diese Regelung für die städtischen Kindertagesstätten umgesetzt wird, wird sie im gleichen Zuge auch von den Drittträgern eingefordert werden. Da die Stadt Syke insgesamt familienfreundlich sein möchte, sollte dieser Vorteil auch den Zweitkräften der Drittträger zu Teil werden. Die gleichen Argumente gelten auch für die Lebenshilfe, die Kirchengemeinden und das DRK.

 

Nachhaltigkeit:

Die Stadt Syke ist eine familienfreundliche Stadt. Insbesondere in der Kinderbetreuung wird viel Wert auf ein qualitativ hochwertiges Angebot gelegt, was durch den regelmäßigen Einsatz von zwei Erzieherinnen in einer Gruppe belegt ist. Eltern und Kinder honorieren dieses Angebot, indem sie viel länger als noch vor Jahren die Einrichtungen besuchen. Zu einer guten Betreuung gehört auch die Verlässlichkeit. Es muss der Stadt daher ein Anliegen sein, gutes Personal dauerhaft zu halten.

 

Durchführungszeitraum:

Die Umsetzung des Beschlusses sollte ab August 2010, spätestens ab Januar 2011 erfolgen.

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Der Rat beschließt rückwirkend ab August 2010, abweichend von der Erst- und Zweitkraftregelung alle staatlich geprüften Erzieherinnen und Erzieher nach Entgeltstufe S6 zu bezahlen.

Finanzielle Auswirkungen:

Finanzielle Auswirkungen:

 

Die Eingruppierung aller Zweitkräfte, die eine Erzieherinnenausbildung haben in die Entgeltstufe S6 würde zu jährlichen Personalmehrkosten zwischen 45 und 50.000 € führen. Je etwa zur Hälfe würden sie unter den städtischen Personalkosten und den Zuwendungen zu Drittträgen im Haushalt zu veranschlagen sein.